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Im Auftrag des Herrn – als Unterstützungssoldat im Kosovo

Prizren, 20.08.2012, Pressestelle Prizren.
Derzeit leisten über 700 deutsche Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst im Kosovo. Einer davon ist der 30-jährige Christian L. Der Oberfeldwebel begleitet seit Anfang Mai den evangelischen Militärpfarrer im deutschen Feldlager Prizren und erlebt als Nichtgetaufter jeden Tag neue Facetten des Soldatenlebens.

Oberfeldwebel Christian L. vor der Kirche im deutschen Feldlager in Prizren
Vor der Feldlager-Kirche (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Schnell noch einen Kaffee im Büro, dann heißt es das Fahrzeug für den Tag bereitmachen. Wasser, Schutzwesten, Helme gehören zur Grundausstattung. Die heutige Strecke in den Nordkosovo ist Oberfeldwebel Christian L. bekannt, seit Anfang Mai ist er bereits im Einsatz vor Ort. Bis Ende September wird er noch hier sein. Alles läuft nach Plan, lediglich der evangelische Militärpfarrer fehlt. Ein Soldat bat diesen vor der Abfahrt noch um ein vertrauliches Gespräch. Eine Verzögerung im Plan, aber Christian nimmt es gelassen.

Der Militärpfarrer ist erster Ansprechpartner für viele Soldaten. „Wir sind jetzt im dritten Monat des Kontingents, eine schwere Zeit für einige Soldaten. Sie haben Sehnsucht nach Hause, nach ihren Familien“, sagt er, „da sind die Gespräche wichtig. Alle anderen Termine können warten.“ Der zweifache Familienvater weiß, wovon er spricht. Trotz guter Internetverbindung hört er die eine Frage fast jeden Abend: „Papa, wann kommst du wieder?“ Mit Postkarten, Paketen und per Skype versucht Christian den Kontakt zu seinen Jungs zu halten. Einfach ist das aber nicht immer. Ein Nachdenken, ein Stirnrunzeln huscht über sein Gesicht. Christian ist seit acht Jahren Soldat und derzeit, heimatnah, als Infoverabeiter in der Kurmark-Kaserne in Storkow stationiert.

„Pfarrhelfer bin ich nur durch einen Zufall geworden“, erzählt er lächelnd. „Ich habe einen Kameraden, dessen Cousine im Kirchenamt arbeitet. Die suchten Jemanden, der Interesse hätte, als Pfarrhelfer ins Ausland zu gehen.“ In Deutschland kannte der Oberfeldwebel die Militärseelsorge nur vom lebenskundlichen Unterricht als Soldat. „Ich wollte die Arbeit im Einsatz kennenlernen“, sagt er. Ein kurzer Anruf, zwei Treffen mit dem Militärpfarrer in Berlin und für Christian war klar: „Das mache ich.“

Oberfeldwebel L. bereitet in der Kirche den Abendmahlsgottesdienst vor
Vorbereitung des Abendmahls (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Als Unterstützungssoldat im Kosovo ist der Eggersdorfer Vorzimmer, Buchhalter, Chauffeur, IT-Spezialist, Personenschützer und Glöckner in einer Person. „Das Schönste sind die Abwechslungen“, sagt er, „und die verschiedenen Eindrücke.“ Die Arbeit ist sehr verantwortungsvoll. Er muss Gottesdienste vorbereiten, Weiterbildungen und Konferenzen mit Pfarrern anderer Nationen organisieren und ist somit rechte Hand des Pfarrers.

„Vorher hatte ich keinen großen Bezug zur Kirche, jetzt verstehe ich die Soldatinnen und Soldaten, die in die Kirche gehen“, sagt er. „Viele Kameraden aus Storkow sind auch im Kosovo. Sie fragen mich dann immer, wie es so ist als nichtgetaufter Pfarrhelfer.“ Kirche im Einsatz ist etwas anders. Oft markiert der Gottesdienst die Woche. Es ist der Sonntag, das Besondere in einer Woche, die keine freien Tage hat. Es ist die ruhige Minute, das Abschweifen und das Sich-Besinnen. Als Tenor singt Christian mittlerweile auch im Kirchenchor mit. „Da versuche ich auch schon mal den Pfarrer zu modernen Liedern zu motivieren“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu, „so ein Amazing Grace ist doch viel schwungvoller als das fünfte Halleluja.“

In den letzten Monaten gab es viel Beeindruckendes. Zum Beispiel das internationale Treffen aller im Land tätigen Militärseelsorger, bei dem jeder Pfarrer die Fürbitten in seiner Landessprache gesprochen hat. Man hat Kerzen angezündet und danach gemeinsam ein lateinisches Lied angestimmt. „Die Atmosphäre war bewegend, die Stimmen so schön“, berichtet Christian. In einem serbischen Kloster hat er Mönche singen hören, einen Schweizer Pfarrer hat er bewundert, wie er im Gottesdienst durch die Musik von Silbermond und Rosenstolz die jungen Soldatinnen und Soldaten mitgerissen hat. In einem Waisenhaus war er dabei, wie Süßigkeiten und Spenden der Soldatinnen und Soldaten verteilt wurden. Die Arbeit ist vielfältig und international. Seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo am 17. Februar 2008 steht die Entwicklung professioneller, demokratischer und multiethnischer Sicherheitsstrukturen im Blickpunkt von KFOR. Darüber hinaus gilt es, humanitäre Hilfe in Notsituationen zu leisten und die Arbeit der internationalen Hilfsorganisationen zu unterstützen. „Wir haben hier einen engen Kontakt zu vielen Hilfsorganisationen“, erklärt Christian, „die Zeit geht rasend schnell vorbei.“ Manchmal sind es vier Gottesdienste in der Woche, da sein Militärpfarrer für alle deutschen Soldatinnen und Soldaten im Kosovo zuständig ist und damit zwischen den verschiedenen Feldlagern viel herumreist.

„Als Pfarrhelfer im Einsatz, das hätte ich mir nie so spannend vorgestellt“, sagt Christian.

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Stand vom: 06.09.12 | Autor: Andrea Schulze


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