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Im Gespräch mit...

Stabsfeldwebel Deinböck im Gespräch

Stabsfeldwebel Deinböck (Quelle: Militärseelsorge/nb)Größere Abbildung anzeigen

Herrn Stabsfeldwebel (SFw) Deinböck

Sie leiten die Familienbetreuungsstelle in Regen. Das tun Sie nicht zum ersten Mal ...
Genau.
Zum ersten Mal war ich 2004 in der Familienbetreuungsstelle eingesetzt, dann 2006, jetzt wieder. 2002 war ich im Lagezentrum mit der Personalplanung befasst, PEBA und Stellenbesetzungslisten. Da bin ich 2004 gefragt worden, ob ich die Familienbetreuung übernehmen würde. Ich habe mir eine Nacht Bedenkzeit erbeten.
Zu Hause hab ich mit meiner Frau darüber gesprochen. Wir haben ja beim Einsatz 1999 - da war ich bei KVM KFOR im Kosovo - so unsere Erfahrungen gemacht. Meine Frau hat da richtig gelitten. - An dem Abend hat meine Frau zu mir gesagt: "Du musst es gescheit machen oder gar nicht."

Was machen Sie denn gerade "gescheit"?
Ja, die Betreuungsveranstaltungen alle vier Wochen mit den Videokonferenzen, das ist eine super Sache. Organisatorisch ist das ein Riesenaufwand. Aber wenn man die Familien dann sieht, wie sie herkommen, fast nur, um mit ihrem Soldaten vier Minuten zu telefonieren ... jede Familie kann sich ungestört unterhalten. Wir klopfen nach drei Minuten an die Tür, damit sie die verbleibende Zeit einschätzen können.

Das ist sicherlich anstrengend für die Familien - ihren Soldaten im Einsatz fast hautnah gegenüber zu haben ...
Ja. Beim ein oder anderen sieht man noch Tränen. Die Angehörigen kommen wie aus einer anderen Welt. Ich spreche sie dann erst einmal nicht an. - Ja, die Videokonferenz kommt gut an. Aber es ist auch einen Haufen Arbeit, bis alles so weit ist - und manchmal weiß man noch eine halbe Stunde zuvor nicht: Wird die Leitung stehen? - Das kostet mich Nerven, denn ich will alles perfekt machen. - So eine Sonntagsveranstaltung kostet mich - gerade mit Videokonferenz - zwei Jahre meines Lebens. (lacht)

SFw Deiböck "unter Strom"

SFw Deiböck "unter Strom" (Quelle: Militärseelsorge/nb)Größere Abbildung anzeigen

Daran kann ich mich gut erinnern: Sie standen wirklich unter Strom - Die Veranstaltungen gehören zu Ihren Aufgaben, sind aber nicht alles ...
Nein. An einen ganz normalen Arbeitstag bereiten wir die nächste Veranstaltung vor. Halten Kontakt ins Einsatzland. Familien rufen an mit ihren Fragen... das ist eigentlich die Herausforderung: die unterschiedlichsten Aufgaben verfolgen, nichts vergessen, nichts übersehen. Wenn es beispielsweise in der Schule nicht so läuft ... zum Rektor darf ich nicht. Wie kann ich dann helfen? Ich bin Brückenbauer, sage ich immer. In der Familienbetreuung arbeiten wir im Team - zusammen mit der Sozialarbeit, dem Truppenpsychologen, den Militärpfarrern, dem Spieß und Chef im Einsatzland.

Wie wird ihr Engagement von den Kameraden angenommen?
Ich predige immer: Der Einsatz geht nicht mit dem ersten Tag im Einsatzland los. Auch nicht mit der Einsatzvorbereitung. Sehr wichtig ist das soziale Netz in der Einheit: Wenn dort eine gesellige Veranstaltung gemacht wird - dann gehören die Frauen dazu. Manche Kameraden haben die Einstellung: "Ich bin Soldat, ich steh dazu! - Aber meine Familie betrifft das nicht."
Betrifft sie doch, das ist meine Erfahrung aus der Familienbetreuung. Wir können nicht zaubern, wir können nur helfen, vermitteln, Brücken bauen - aber das auch nur, wenn die Angehörigen sich trauen, zu uns Kontakt aufzunehmen - und natürlich, wenn sie wissen, dass es die Familienbetreuung gibt.

SFw Deinböck, der Engagierte

SFw Deinböck, der Engagierte (Quelle: Militärseelsorge/nb)Größere Abbildung anzeigen

Herr Deinböck, die vielleicht wichtigste Frage zum Schluss: Was tun Sie für sich selbst?
Wo soll ich da anfangen? Ich kann es mir ja nicht von der Seele reden - meiner Frau etwas davon erzählen? Nein, das ist tabu. Oder OTL Ahrend- der fragt mich regelmäßig, wie es in der Familienbetreuung geht. Dann sage ich: "Gut, Herr Oberstleutnant. Wir haben alles im Griff"
Das Menschliche behalte ich für mich. Da bin ich absolut verschwiegen. Das ist meine Aufgabe. Wenn die Soldaten zurückkommen, haben sie die Reintegrationsseminare. Da können sie erzählen, was sie im Einsatz erlebt haben. Welchen Stress sie hatten. Was belastend war. - Ich kann mich nicht mit anderen Mitarbeitern der Familienbetreuung treffen und mir Dinge von der Seele reden. Findet nicht statt. Aber mich freut, wenn ich Familien weiterhelfen kann. Sie kommen, erzählen mir, was sie bedrückt, und ich kann ihnen helfen. Das gibt mir Kraft. Ich weiß dann, wofür ich da bin.

Herr SFw Deinböck, vielen Dank für dieses Gespräch.

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Stand vom: 27.11.13 | Autor: Hans-Joachim Gonser


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