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Militärseelsorge in der Bundeswehr

Schulterklappe eines Evangelischen Militärgeistlichen

Schulterklappe eines Evangelischen Militärgeistlichen (Quelle: Bundeswehr - EKA)Größere Abbildung anzeigen

"Wir gehören zum Herrn" steht im Wappen in lateinischer Sprache: "Domini Sumus." Dieser Sinnspruch schmückt die Dienststellen, Bücher und sogar die Schulterklappen der Angehörigen der Militärseelsorge. "Wir gehören zum Herrn", damit ist nicht der Dienstherr Bundesrepublik gemeint, sondern Gott, der Herr der Welt. Etwa sechzig Prozent der deutschen Soldatinnen und Soldaten gehören einer christlichen Kirche an. Und die Bundesrepublik hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass in ihrer Bundeswehr jeder seinem Glauben entsprechend leben und "nach seiner Façon selig werden" kann.

Für Menschen in der Bundeswehr ist es nicht immer möglich, am Leben ihrer Kirchengemeinde teilzunehmen. Ortswechsel, Übungsplatz- und Auslandsaufenthalte und nicht zuletzt Auslandseinsätze machen ein eigenes geistliches Angebot für Soldatinnen und Soldaten nötig. Dafür gibt es etwa 200 Militärgeistliche, gut die Hälfte davon sind evangelisch. 104 Evangelische Militärpfarrämter gibt es in der Bundeswehr. Viele von ihnen sind für mehrere Standorte zuständig.

Militärseelsorge ist Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt. Die Standortgottesdienste finden in der Regel werktags statt. Soldatinnen und Soldaten feiern Gottesdienst in der Gemeinschaft der Kameraden. Der Besuch ist kein Dienst, sondern freiwillig. Aber es gibt Dienstbefreiung zur Teilnahme. Die Geistlichen arbeiten in den Bundeswehrliegenschaften. Dadurch pflegen sie den Kontakt zu ihren Gemeindegliedern während deren Arbeitszeit und an deren Arbeitsplatz. Die Seelsorger sind für die Freuden und Nöte im Bundeswehr-Alltag ansprechbar.

An den Auslandsstandorten der Bundeswehr, zum Beispiel bei der Flugausbildung in Texas, gibt es ein komplettes Gemeindeleben, in das die ganze Familie einbezogen ist. Vom Singen im Kirchenchor bis zur Konfirmation der Kinder erleben die Bundeswehrangehörigen ein Gemeindeleben ähnlich wie zu Hause. Auch in den Einsatzkontingenten und auf den Schiffen der Bundesmarine werden Soldatinnen und Soldaten geistlich begleitet. Gerade in der fremden Umgebung und der besonderen Situation der Einsatzländer wissen sie die Gottesdienste und das Gesprächsangebot der Pfarrerinnen und Pfarrer zu schätzen. Mit viel Liebe werden Kapellen gebaut und geschmückt, "Oasen" für das leibliche Wohl betrieben, Glocken geläutet und Gottesdienste gehalten – manchmal gibt es dann auch etwas Besonderes zu feiern: Menschen, die bisher noch keine Christen waren, lassen sich taufen und beginnen ein Leben im Glauben; kräftig unterstützt von ihren Kameradinnen und Kameraden.

In einem Bereich, in dem mit scharfen Waffen umgegangen wird, klingt das Wort "Rüstzeit" vielleicht etwas irreführend. Im Zusammenhang mit der Kirche unter den Soldaten bedeutet es die Möglichkeit, einmal aus dem Alltagstrott herauszukommen, sich gemeinsam mit anderen zu erholen und über Fragen des Glaubens nachzudenken. Aber auch Fahrten zu besonderen Orten, Wanderungen auf alten Pilgerpfaden, Motorradexkursionen oder die Teilnahme am Internationalen Soldatentreffen in Südfrankreich stehen auf dem Programm.

Logo der Evangelischen Militärseelsorge: ein Kreuz mit dem geschwungenen Schriftzug "Domini Sumus"

Domini Sumus (Quelle: Militärseelsorge)Größere Abbildung anzeigen

Was bedeutet es eigentlich, als Soldat Christ zu sein? Älter als die Bundeswehr ist die Frage, inwieweit ihre Aufgabe mit dem christlichen Gebot der Feindesliebe vereinbar ist. Innerhalb der Evangelischen Kirchen und innerhalb der Bundeswehr ist deshalb der Beitrag der Militärseelsorge zur ethischen Auseinandersetzung gefragt. Die Gründer der Bundeswehr überlegten, auf welche Basis sie die berufsethische Unterrichtung der Soldaten stellen sollten. Gemeinsam mit den Kirchen entwickelten sie den "Lebenskundlichen Unterricht". Hier werden den Soldaten nicht einfach – wie auch immer zu beschreibende – Werte vermittelt. Vielmehr werden Gewissen geschärft und moralisches Urteilsvermögen gestärkt. So können Soldatinnen und Soldaten Verantwortung für sich und andere übernehmen. Der Unterricht richtet sich an alle Angehörigen der Streitkräfte und nicht nur an Kirchenmitglieder. Die Militärseelsorger unterrichten ihn als besonders geeignete Lehrkräfte.

Die Militärseelsorge in der Bundeswehr ist fast so alt, wie die Bundeswehr selbst. In der Bundesrepublik der Fünfziger Jahre dachte man über den "deutschen Verteidigungsbeitrag" nach. Dabei war allen Beteiligten klar: Zum zivilen Konzept des "Staatsbürgers in Uniform" gehört eine starke zivile Kirche unter den Soldaten. Deshalb knüpfte man bewusst nicht an die staatskirchlichen Traditionen vorheriger deutscher Armeen an. Stattdessen handelte man mit der Kirche einen Militärseelsorgevertrag aus, der kompromisslose geistliche Unabhängigkeit mit größtmöglicher Nähe zu den Soldatinnen und Soldaten verbindet. Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten war es ein wichtiges Anliegen der Kirchen in den neuen Bundesländern, diesen zivilen Charakter der Seelsorge in der Bundeswehr zu betonen. Heute beteiligen sich alle Evangelischen Landeskirchen in Deutschland an der Gemeinschaftsaufgabe der Militärseelsorge. Und anders als zu Zeiten der Block-Konfrontation ist es heute selbstverständlich, dass in allen Bundesländern christliche Soldaten bekennen: "Domini Sumus – Wir gehören zum Herrn."

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Stand vom: 05.06.14 | Autor: 


http://www.eka.militaerseelsorge.bundeswehr.de/portal/poc/eka?uri=ci%3Abw.milseels_eka.geschich.milseelbw