Startseite Militärseelsorge

Sie sind hier: Startseite > Geschichte & Struktur > Historische Entwicklung 

Die historische Entwicklung der Militärseelsorge

Die Entwicklung der Evangelischen Militärseelsorge stellt sich aus historischer Sicht wie folgt dar:

Zeittafel
Ab Mitte 1950 Erste inoffizielle Gespräche zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland und der Fuldaer Bischofskonferenz auf der einen und dem Bundesinnenministerium, später der Dienststelle Blank auf der anderen Seite über Fragen der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen im Zusammenhang mit einem deutschen Verteidigungsbeitrag im Rahmen einer geplanten Europa-Armee.
Ab Herbst 1951 Inoffizielle Erörterung der Frage, ob die Kirchen überhaupt schon bereit wären, über eine zukünftige Militärseelsorge und deren Gestaltung zu sprechen und ob sie in dieser Richtung schon Vorstellungen hätten. Schon in den ersten Gesprächen zeichneten sich Grundpositionen ab: Für die Kirche war klar, dass, wenn überhaupt, Militärseelsorge nicht wie früher Teil des militärischen Apparates sein dürfe, sondern Teil der kirchlichen Arbeit bleiben müsse. Für den Staat war klar, dass die Militärseelsorge kaum im Rahmen der Ortsgemeindestruktur durchgeführt werden könnte.
31. Januar 1952 Offizielle Anfrage der Dienststelle Blank an den Präsidenten der Kirchenkanzlei der EKD und den Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, "die Fragen der Militärseelsorge und der eventuellen Zurückstellung Geistlicher vom Wehrdienst bald zu klären".
13. März 1952 Beschluss des Rates der EKD: "Der Rat stimmt grundsätzlich dem Plan zu, den Aufbau der Evangelischen Seelsorge in etwaigen deutschen Einheiten durch einen Vertrag zwischen Staat und Evangelischer Kirche in Deutschland zu regeln."
Mai 1953 Der Rat der EKD beschließt, einen Ausschuss zu bestellen, der die Beteiligung der Landeskirchen sicherstellen und grundsätzliche und personelle Fragen klären soll. Der Ausschuss wurde als ein innerkirchlicher verstanden. Er wird von Bischof D. Bender von der Badischen Kirche geleitet, weshalb er auch Bender-Ausschuss heißt. Die Gespräche zwischen Kirchenkanzlei und Dienststelle Blank gehen daneben weiter.
13. November 1953 Die Dienststelle Blank wird über die Beratungen des Bender-Ausschusses unterrichtet. Das führt zu der Frage, ob EKD überhaupt legitimiert sei, einen Vertrag mit der Bundesrepublik abzuschließen. Das soll in einem Gutachten des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD geklärt werden.
24. Juni 1954 Der Vorsitzende des Bender-Ausschusses, Landesbischof D. Bender berichtet dem Rat über die Arbeitsergebnisse. Hauptanliegen des Ausschusses war, auf die Gefahren hinzuweisen, die eine eigenständige Wehrmachtskirche habe. Deshalb müsse alles getan werden, die Verbindung zwischen Militärseelsorge und Landeskirchen so eng wie möglich zu gestalten. Wichtigstes Element dabei war, dass die Militärgeistlichen nach einer bestimmten Zeit in ihre Heimatkirchen zurückkehren und in Bekenntnisstand und Ordinationsgelübde an ihre Landeskirchen gebunden bleiben sollten.
29. September 1954 Im Referat der Dienststelle Blank für Kirchliche Angelegenheiten liegt eine Skizze vor, in der die Grundzüge der Militärseelsorge, wie sie später im Vertrag geregelt werden sollen, dargelegt sind. In der Folgezeit werden Einzelheiten zwischen der Dienststelle Blank, der Kirchenkanzlei der EKD und dem Bender-Ausschuss geklärt.
06. Mai 1955 Die Bundesrepublik Deutschland tritt offiziell der NATO bei. Damit ist die Entscheidung über die Form eines deutschen Verteidigungsbeitrages gefallen und die Notwendigkeit gegeben, möglichst schnell Klarheit über eine zukünftige Militärseelsorge zu erreichen.
09. Juni 1955 Das Kirchenrechtliche Institut der EKD legt sein Gutachten vor, in dem die Vertragsfähigkeit der Evangelischen Kirche in Deutschland festgestellt wird.
27. Juli 1955 In einem Grundsatzgespräch zwischen Vertretern beider Kirchen und Vertretern des Bundesverteidigungsministeriums äußert die EKD den Wunsch, zur Regelung der Militärseelsorge einen Vertrag abzuschließen.
19. November 1955 Das Bundeskanzleramt stimmt einem Vertragsabschluß zur Regelung der Evangelischen Militärseelsorge zu.
21. Dezember 1955 Beginn der endgültigen Vertragsverhandlungen zwischen Staat und Kirche, auf kirchlicher Seite geleitet von Prälat Hermann Kunst, auf staatlicher Seite von Ministerialdirigent Ernst Wirmer.
16./17. Januar 1956 Prälat Hermann Kunst wird vom Rat der EKD zum vorläufigen Militärbischof ernannt. Das Bischofsamt soll nebenamtlich ausgeübt werden. Kunst bleibt hauptamtlich Bevollmächtigter der Evangelischen Kirche in Deutschland am Sitz der Bundesrepublik.
März 1956 Der Rat der EKD und die Kirchenkonferenz beschließen, die Vertragsverhandlungen zu verzögern, da inzwischen einige Landeskirchen gefordert hatten, vor Vertragsabschluß müsse ein Kirchengesetz zur Militärseelsorge erarbeitet werden.
April 1956 Die praktische Arbeit der Evangelischen Militärseelsorge beginnt. Am 04., 06. und 10. April werden die ersten Wehrbereichsdekane berufen. Am 10. April 1956 wird durch Erlass des Bundesverteidigungsministeriums das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr eingerichtet.
14. Januar 1957 Schlussverhandlungen zwischen Kirchen und Staat über einen ratifizierungsreifen Text des Militärseelsorgevertrages.
22. Februar 1957 Für die Evangelische Kirche in Deutschland unterzeichnen Bischof Otto Dibelius als Ratsvorsitzender und der Präsident der Kirchenkanzlei, Heinz Brunotte und für den Staat Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß in Bonn den Militärseelsorgevertrag.
04. März 1957 Der Minister für nationale Verteidigung der DDR, Willi Stoph, lehnt in einem Brief an den Ratsvorsitzenden der EKD ab, über eine Tätigkeit der Evangelischen Kirche in der Nationalen Volksarmee zu verhandeln.
07./08. März 1957 Auf der Synode der Evangelischen Kirche in Berlin-Spandau wird nach kontroverser Diskussion dem Militärseelsorgevertrag und dem Kirchengesetz zur Regelung der Evangelischen Militärseelsorge zugestimmt. In der Folgezeit erfolgt auch die notwendige Zustimmung durch die einzelnen Gliedkirchen der EKD. Nur die Evangelische Kirche von Hessen-Nassau zögert ihre Zustimmung bis zum 26. April 1960 hinaus.
28. April 1959: Die Kommission der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg veröffentlicht unter dem Titel "Atomzeitalter - Krieg und Frieden" die "Heidelberger Thesen" als Ergebnis ihrer Untersuchung, welche Bedeutung und Auswirkung das Aufkommen der Atomwaffen für die Verantwortung der Soldaten und für die Seelsorge an den Soldaten hat.
18. Juni 1996 Die Rahmenvereinbarung zur Seelsorge in der Bundeswehr in den neuen Bundesländern wird zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Evangelischen Kirche in Deutschland geschlossen.
20. November 2003 Die Evangelische Kirche in Deutschland ändert ihre Grundordnung mit Artikel 18: Die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr wird zur Gemeinschaftsaufgabe der EKD und der in ihr verbundenen Gliedkirchen.
1. Januar 2004 Der Militärseelsorgevertrag wird im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland für alle Landeskirchen als Grundlage der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr gültig. Die Rahmenvereinbarung von Juni 1996 tritt außer Kraft.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 27.11.13 | Autor: 


http://www.eka.militaerseelsorge.bundeswehr.de/portal/poc/eka?uri=ci%3Abw.milseels_eka.geschich.zeittafe