Startseite Militärseelsorge

Sie sind hier: Startseite > Lebenskundlicher Unterricht > Friedensethik 

Friedensethik

Das Handbuch der Evangelischen Militärseelsorge "Friedensethik im Einsatz"

Handbuch (Quelle: Militärseelsorge)Größere Abbildung anzeigen

Nach Ende des Ost-Westkonfliktes und des damit verbundenen Blockdenkens hat sich die Lage der Welt gewandelt. Die kriegerischen Auseinandersetzungen rund um den Globus haben oft einen asymmetrischen Charakter angenommen und stellen friedensethisch und völkerrechtlich besondere Herausforderungen. Soldatinnen und Soldaten werden als Mitglieder einer Parlamentsarmee in Systemen kollektiver Sicherheit mit völkerrechtlichem Mandat zur Sicherung der internationalen Friedensordnung in anderen Ländern "eingesetzt".

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat 2007 die Denkschrift "Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen" veröffentlicht, die vom Leitbild des gerechten Friedens her argumentiert. Sie enthält auch für Soldatinnen und Soldaten wichtige Aussagen.

Leitbild des gerechten Friedens: "Der Friede Gottes bildet Grund und Horizont allen menschlichen Bemühens um den Frieden". (Vorwort) "Für die christliche Ethik stehen Friede und Gerechtigkeit in unauflöslichem Zusammenhang." (73) "Die Einheit von Frieden und Gerechtigkeit ist in biblischen Überlieferungen Gegenstand göttlicher Verheißung." (74)

Frieden, Gerechtigkeit und Recht: "Das ethische Leitbild des gerechten Friedens ist zu seiner Verwirklichung auf das Recht angewiesen." (85) "Recht ist auf Durchsetzbarkeit angelegt. In der Perspektive einer auf Recht gegründeten Friedensordnung sind Grenzsituationen nicht auszuschließen, in denen sich die Frage nach einem (wenn nicht gebotenen, so doch zumindest) erlaubten Gewaltgebrauch und den ethischen Kriterien dafür stellt." (98)

Erlaubniskriterien rechtserhaltender Gewalt: Bei eindeutigem Vorrang der Gewaltlosigkeit werden für den Grenzfall Erlaubniskriterien zur Anwendung rechtserhaltender Gewalt aufgestellt:

1. Autorisierung
2. Richtige Absicht
3. Äußerstes Mittel
4. Verhältnismäßigkeit der Folgen
5. Verhältnismäßigkeit der Mittel
6. Unterscheidungsprinzip (nicht beteiligte Personen und Einrichtungen sind zu schonen.) (102)

Die Frage der Schuld: "In Situationen, in denen die Verantwortung für eigenes oder fremdes Leben zu einem Handeln nötigt, durch das zugleich Leben bedroht oder vernichtet wird, kann keine noch so sorgfältige Güterabwägung von dem Risiko des Schuldigwerdens befreien." (103)

Ziel: Menschliche Sicherheit und menschliche Entwicklung: Menschliche Sicherheit (human security) und menschliche Entwicklung (human development) sind das Ziel. Der einzelne Mensch ist sowohl vor Not wie vor Gewalt zu schützen. Es geht um soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und die Unteilbarkeit der Menschwürde, um eine Verantwortungsgemeinschaft vor Gott und den Menschen, die das Wohl und die Lebensqualität der Weltbevölkerung, vor allem der Armen, im Blick hat. (184 ff)

Die zivile Konfliktbearbeitung muss im Vordergrund stehen. Es gilt der Grundsatz: si vis pacem para pacem ("wenn du den Frieden willst, bereite den Frieden vor") (75)

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 13.07.17 | Autor: 


http://www.eka.militaerseelsorge.bundeswehr.de/portal/poc/eka?uri=ci%3Abw.milseels_eka.lku.friedensethik