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Gesamtkonferenz Evangelischer Militärgeistlicher eröffnet

Potsdam, 14.04.2008, Militärseelsorge.
In Potsdam wurde am Montag die 53. Gesamtkonferenz Evangelischer Militärgeistlicher eröffnet. Auf Veranstaltung zum Thema „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen" treffen sich über 100 Militärpfarrerinnen und –pfarrer, zahlreiche Referenten aus Theologie und Militär sowie Gäste aus der internationalen Ökumene, um über die aktuelle Situation der Soldatinnen und Soldaten und der Seelsorge in den Streitkräften zu reflektieren.

Peter Krug (links) zieht eine Bilanz seiner Arbeit

Peter Krug (links) zieht eine Bilanz seiner Arbeit (Quelle: Militärseelsorge/Martin Middendorf)Größere Abbildung anzeigen

Dienstzeit von Militärbischof Krug endet

Auf einer Pressekonferenz berichtete Militärbischof Peter Krug, dass am 24. September 2008 sein fünfjähriger Dienst als nebenamtlicher Bischof in der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr endet.

In seiner Bilanz der vergangenen Jahre betonte Krug, dass „militärische Mittel keinen Frieden schaffen können, aber Zeiten und Räume öffnen, um Frieden zu ermöglichen". Die Politik müsse diese Zeit nutzen. Zudem sei es Aufgabe der Politik und des Militärs, „den Soldaten immer wieder die Sinnfrage des Einsatzes zu erläutern und nach Möglichkeit umfassend zu beantworten". Krug forderte klare und überzeugende Vorgaben für Einsätze, damit auch deren „Transfer in die Köpfe und Herzen der Soldaten" sowie zur Bevölkerung gelänge.

Er verdeutlichte, dass die Arbeit der Evangelischen Militärseelsorge aufgrund der Bedeutung der Auslandseinsatzbegleitung und der wachsenden Zahl an nicht-konfessionellen Soldaten und Soldatinnen gestiegenen Erwartungen ausgesetzt sei. „Diesen Herausforderungen und der wachsenden Zahl von Aufgaben können wir nur gerecht werden, wenn wir unseren Dienst stetig weiter professionalisieren."

Angesprochen auf Kirchenbeitritte im Zusammenhang mit den Auslandseinsätzen, erläuterte der Militärbischof, dass bislang rund 120 Erwachsenentaufen in den Einsatzgebieten vollzogen wurden.

Krug beschrieb auch die Auswirkung der Transformation der Bundeswehr auf den Personalumfang der Evangelischen Militärseelsorge. Während 1994 noch 134 Dienststellen der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr vorhanden waren, gibt es zurzeit noch 104 Stellen. Bis zum Jahr 2010 soll die Anzahl der Militärpfarrämter auf 100 abgebaut werden.

Sowohl sein schönstes als auch sein schwerste Erlebnis verbindet der Militärbischof mit der Halle 3 des militärischen Teils des Flughafens Köln-Bonn. Hier fand als ein Höhepunkt seines Dienstes am 22.02.2007 die Feier zum 50 Jahrestag der Unterzeichnung des Militärseelsorgevertrages statt. Auf der anderen Seite galt es drei Monate später, an eben diesem Ort Abschied zu nehmen von drei Soldaten, die in Kunduz einem Sprengstoffanschlag zum Opfer gefallen waren.

Am Ende seiner Bilanz sprach Krug seinen Dank an alle aus, die mit ihm zusammengearbeitet und ihn unterstützt haben. Ein Wechsel im Amt des Militärbischofs täte diesem „Arbeitsgebiet mittelfristig gut". Dieses sei eine große Chance für die evangelische Militärseelsorge, da mit einem Wechsel „neue Akzentsetzungen und Weiterentwicklungen unseres Dienstes verbunden" seien.

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Militärgeneraldekan Peter Brandt

Militärgeneraldekan Peter Brandt (Quelle: Militärseelsorge/mm)Größere Abbildung anzeigen

LKU als berufsethischer Unterricht

Im anschließenden Bericht des Militärgeneraldekans beschrieb Dr. Peter Brandt, Leiter des Evangelischen Kirchenamts für die Bundeswehr, die aktuelle Personalsituation im Bereich der Evangelischen Militärseelsorge und zeigte sich zufrieden mit der Bewerberlage für die Nachbesetzung der Pfarrämter mit Theologinnen und Theologen. Die Arbeit in der Militärseelsorge beschrieb er als einen „Kompetenzzuwachs, der auch der jeweiligen Landeskirche zu Gute kommt", wobei das Profil der Militärseelsorge dem der Notfallseelsorge ähnelt. Die Militärgeistlichen selbst nähmen ihre Arbeit in der Militärseelsorge als „erfüllend und bereichernd" wahr.

Brandt ging danach auf die geplante Neufassung der Zentralen Dienstvorschrift der Bundeswehr zum Lebenskundlichen Unterricht ein. Dieser soll sich zukünftig als berufsethischer Unterricht an alle Soldatinnen und Soldaten, unabhängig von einer Konfessionszugehörigkeit, richten und von den Militärgeistlichen – als besonders qualifizierte Lehrkräfte – erteilt werden.

In Bezug auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr erläuterte der Militärgeneraldekan ein neuartiges Seelsorgemodell, welches derzeit in Kooperation mit der Militärseelsorge des Österreichischen Bundesheeres in Bosnien-Herzegowina praktiziert wird. Hierbei nehmen Geistliche beider Länder die Aufgaben abwechselnd wahr.

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Unterschiede „Ost" und „West"

Militärdekan Helmut Jakobus, Leiter des Militärdekanats Erfurt (mit vorläufigem Dienstsitz Berlin) ging anschließend auf Unterschiede in der Arbeit der Militärgeistlichen im Osten bzw. Westen Deutschlands ein. Obwohl die rechtlichen Bedingungen seit 2004 gleich sind, macht sich in den neuen Bundesländern bemerkbar, dass häufig „kein volkskirchlicher Hintergrund" vorhanden sei. Die Angebote, welche die Evangelische Militärseelsorge bietet, werden gut wahrgenommen, auch von Konfessionsungebundenen. Während es früher die „eingefahrenen Pfade der Protestanten und Katholiken" gab, ist nun als wichtige Zielgruppe für die Arbeit der Militärseelsorger die der „religiös Aufgeschlossenen" hinzugekommen.

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Ulrich Seelemann von der gastgebenden Evangelischen Kirche

Ulrich Seelemann von der gastgebenden Ev. Kirche (Quelle: Militärseelsorge/mm)Größere Abbildung anzeigen

Andacht und Eröffnung der Gesamtkonferenz durch den Militärgeneraldekan

Nach einer Andacht und der offiziellen Eröffnung der Gesamtkonferenz durch Militärgeneraldekan Dr. Brandt stellte Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) in seinem Vortrag „EKBO in der Streusandbüchse" Apekte kirchlicher Arbeit zwischen Großstadt und ländlicher Region dar.

Seelemann, zugleich Vorsitzender des Finanzausschusses des Beirates der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr, stellte „seine" Landeskirche vor und ging insbesondere auf die Hoffnung und Chancen der Kirchen im Osten ein. Er bedauerte, dass der gesellschaftliche Wandel nach außen seit der Wende stärker war, „als er im Herzen vollzogen werden kann" und sah gerade in diesem Bereich die Wichtigkeit von „Glauben".

Seelemann ging auf die Folgen der demographischen Entwicklung und von Wachstumsbewegungen auf die Gebiete Berlin, Brandenburg sowie schlesische Oberlausitz ein und beschrieb die negative Auswirkung auf die Gemeindearbeit, wenn die Gemeindeglieder der Landeskirchen immer weniger und älter werden.

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Krug präsentiert die historische Militärseelsorgeordnung

Krug präsentiert die historische Militärseelsorgeordnung (Quelle: Militärseelsorge/mm)Größere Abbildung anzeigen

Kirche im Dorf als Identifikationspunkt

Er betonte die Notwendigkeit des Erhalts der „Kirche im Dorf" als häufig „letzten Identifikationspunkt auch für diejenigen, die der Kirche nicht, nicht mehr oder noch nicht wieder angehören". Die Rückgewinnung der „in dritter Generation entkirchlichten Gesellschaft" sei ein schwieriger Prozess, aber nicht hoffnungslos. Positiv sei festzustellen, dass Kinder wieder vermehrt von ihren Eltern in den Religionsunterricht geschickt werden, um dort die Grundbegriffe des Christentums zu erfahren. Wie auch in der Zusammenarbeit der Militärseelsorger mit den Soldaten gilt es „positive Wege anzustoßen", um „abgebrochene Traditionen langsam und von unter wieder aufzubauen".

Die Veranstaltung wird noch bis zum kommenden Donnerstag fortgesetzt.

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Stand vom: 27.11.13 | Autor: Martin Middendorf


https://www.eka.militaerseelsorge.bundeswehr.de/portal/poc/eka?uri=ci%3Abw.milseels_eka.service.veranstaltungen.geko2008