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Öffentliche Religion als Chance

Strausberg, 22.03.2013, Militärseelsorge.

Professor Gräb beim Hauptvortrag

Professor Gräb (Quelle: Militärseelsorge)Größere Abbildung anzeigen

Mit "Gottesdiensten an der Grenze" setzen sich die evangelischen Militärgeistlichen bei ihrer Jahrestagung in Strausberg auseinander.

Eigentlich sind Gottesdienste im Militär immer Grenzerfahrungen. Die Einsatzkontingente der Bundeswehr überschreiten Grenzen. In jedem Gottesdienst in einer Kaserne, einem Feldlager oder an Bord eines Schiffes der Bundesmarine berühren sich unterschiedliche Welten: die Welt des Berufs auf der einen mit dem Privatleben auf der anderen Seite; die militärische Ordnung mit dem Glaubensleben; manchmal kommt auch die Grenze zwischen Leben und Tod dazu.

Wilhelm Gräb lehrt Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Militärseelsorge hat ihn – als ausgewiesenen Fachmann für Fragen der Gottesdienstgestaltung – zu ihrer 58. Gesamtkonferenz in Strausberg, nicht weit von Berlin, eingeladen. Zunächst hat der Professor eine einleuchtende These, mit der er die Geistlichen überrascht: "Jeder Gottesdienst ist ein Gottesdienst auf der Grenze." In jedem Gottesdienst, ganz gleich, ob Sonntags in der Dorfkirche, werktags in der Kaserne oder angesichts der Särge zu Tode gekommener Soldaten in einer Flugzeughalle, begegnen sich die Welten: Endlichkeit und Unendlichkeit, Menschen und Gott, die berechenbare Alltagswelt und die Geheimnisse des Glaubens. Und so wird jeder Mensch im Gottesdienst mit seiner Sterblichkeit und seiner Schuld konfrontiert.

Im Weiteren setzt sich Gräb intensiv mit den Besonderheiten der Militärseelsorge auseinander – und geht auch ausführlich auf den Fall öffentlicher Trauerfeiern für gefallene Bundeswehrsoldaten ein. In der Vergangenheit waren Zweifel angemeldet worden, ob hier nicht staatliche und kirchliche Sphäre unzulässig vermischt werden. Besteht hier nicht die Gefahr, dass sich die Kirche in unangemessener Weise zum Gehilfen der Politik macht und Kriegseinsätze legitimiert? Gräb kann solche Kritik nicht nachvollziehen: "Die Gefahr einer zivilreligiösen Vereinnahmung droht uns doch – bei Licht besehen – gar nicht! Vielmehr geht es um die Chance, öffentliche Religion zu sein." So sei es legitim, dass eine Kirche, die in ihrer Friedensdenkschrift "eine an Recht und Gesetz gebundene militärische Schutzaufgabe als im Grundsatz ethisch verantwortbar bejaht", auch bei einer Trauerfeier davon rede, in welchem Zusammenhang die Soldaten zu Tode gekommen sind.

Es gibt sie, die Grenze zwischen Politik und Religion, aber es gibt auch das Andere: "Es geht darum, die religiöse Dimension im Politischen und die politische Dimension im Religiösen zu sehen." So ist das christliche Leitbild vom Gerechten Frieden zugleich eine politische wie auch eine zutiefst religiöse Frage, "die die Kirche, wenn sie sich denn nicht selbst gesellschaftlich randständig machen will, auch aufzunehmen und im Licht des Evangeliums anzugehen hat."

Das Evangelium von der bedingungslosen Liebe Gottes befreit zugleich zu einer gewissen Ehrlichkeit in Bezug auf die Verstorbenen: Es besteht kein Anlass, das Leben des Menschen durch Übertreibungen zu überhöhen und ins Heldenhafte zu verklären – es hat seinen Wert schon von Gott bekommen.

Mit intensiver Gruppenarbeit, Plenumsdiskussionen und Exkursionen zu Gottesdienstorten "an der Grenze" wird die Gesamtkonferenz fortgesetzt.

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Stand vom: 27.11.13 | Autor: Walter Linkmann


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